
Am 15.03.2026 ist der italienische Kunstsammler und Mäzen Egidio Marzona (geboren 1944 in Bielefeld) im Kreise seiner Familie und Freunde in Berlin nach schwerer Krankheit verstorben.
Egidio Marzona hat – über mehr als 50 Jahre hinweg – eine der umfangreichsten Sammlungen zur Kunst des 20. Jahrhunderts zusammengetragen, die heute im Archiv der Avantgarden in Dresden und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin untergebracht ist.
Bereits in jungen Jahren erwarb er erste Werke zeitgenössischer Kunst und betätigte sich als Galerist in Bielefeld und Düsseldorf. Ab den 1970er-Jahren gab er als Verleger seiner Edition Marzona Publikationen zu den Themen Bauhaus, Fotografie, Typografie und Architektur heraus. Zunehmend widmete er sich gänzlich dem Auf- und Ausbau seiner Kunstsammlung, die sich zunächst auf die damals aktuellen Kunstströmungen Minimal Art, Konzeptkunst, Land Art und Arte Povera konzentrierte. Sukzessive weitete er seine Sammlung auf das gesamte 20. Jahrhundert aus und trug parallel dazu ein umfangreiches Archiv aus Briefen, Fotografien, Ephemera, Zeitschriften und Büchern zusammen, da sein Interesse nicht nur den Kunstwerken selbst, sondern auch dem Prozess ihrer Entstehung galt.
Zwischen 2002 und 2014 übernahm die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (teils als Ankauf, teils als Schenkung) seine mehr als 600 Kunstwerke und 40.000 Archivalien umfassende Sammlung zur Minimal Art, Conceptual Art und Arte Povera. Zurzeit befindet sie sich im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, der Neuen Nationalgalerie, dem Kupferstichkabinett und der Kunstbibliothek in Berlin und soll künftig Teil des in Bau befindlichen Berlin Modern werden. 2014 wurde Marzona mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet.
2016 schenkte er sein Archiv zu den Avantgarden des 20. Jahrhunderts und die dazugehörige Sammlung dem Freistaat Sachsen. Für die 1,5 Millionen Objekte umfassende Schenkung ließ der Freistaat das sog. Blockhaus an der Elbe in Dresden durch das spanisch-deutsche Architekturbüro Nieto Sobejano umbauen. 2024 wurde das Archiv der Avantgarden (ADA) als Teil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eröffnet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (archiv-der-avantgarden.skd.museum). Es versteht sich als Forschungsinstitut und Museum zugleich und umfasst Werke aller Gattungen von der Zeit des geometrischen Jugendstil bis zur Postmoderne wie auch aus den Feldern Literatur, Politik, Philosophie, Film, Tanz und Theater. 2024 – im Jahr der Eröffnung – wurde das ADA von der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikverbandes AICA zum Museum des Jahres gewählt. Für Marzona war es elementar, seine Sammlungen – im Sinne der Kunst als Allgemeingut – der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.
Marzona war unter anderem Mitglied des Board of Trustees des Museum of Modern Art/PS1 in New York und gehörte zu den Mitinitiatoren der Kunst-Werke Berlin.
2018 wurde die „Marzona Stiftung Neue Saalecker Werkstätten“ mit Sitz in Naumburg (Saale) ins Leben gerufen. Die von der Stiftung gegründete Design Akademie Saaleck (dieDAS) widmet sich durch die Vergabe von Stipendien der Förderung von innovativen Designern, Handwerkern, Architekten und Künstlern und wird vom Bund und vom Land Sachsen-Anhalt unterstützt (https://www.die-das.de). Die von Paul Schultze-Naumburg errichteten Saalecker Werkstätten werden derzeit nach einem Masterplan der dänischen Architektin Dorte Mandrup saniert und sollen künftig die international ausgerichteten Fellowship-Programme von dieDAS beherbergen.
In Villa di Verzegnis im Friaul, woher seine Familie väterlicherseits stammt, richtete der Sammler ab 1989 einen Skulpturenpark mit Werken von unter anderem Bruce Nauman, Richard Long, Sol LeWitt und Carl Andre ein.
Egidio Marzona hinterlässt seine Lebenspartnerin, eine Tochter und eine Enkeltochter. Sein Sohn Daniel Marzona ist 2024 verstorben.
Egidio Marzona wird von allen, die ihn kannten, schmerzlich vermisst werden, und die dieDAS-Gemeinschaft wird ihm für seine Weitsicht, seine Großzügigkeit und seine Führungsstärke auf ewig dankbar sein.

Arne Cornelius Wasmuth ist spezialisiert auf die Sanierung historischer Gebäude und den Kulturgüterschutz. Er hat zunächst für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, Hörfunk und Film gearbeitet und hat zum Denkmalschutz und verwandten Themen publiziert sowie Vorträge gehalten. Geboren in Hamburg, wuchs Arne Cornelius Wasmuth in Seoul, Korea, und Lagos, Nigeria, auf. Er erwarb einen B.A. an der Columbia University in New York, einen M.Sc. in International Relations an der London School of Economics und einen M.A. in Schutz Europäischer Kulturgüter an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). 2017 entwickelte er gemeinsam mit dem Sammler und Mäzen Egidio Marzona das Konzept für dieDAS.

Andreas Silbersack ist Mitgründer der dieDAS – Design Akademie Saaleck und der Marzona Stiftung Neue Saalecker Werkstätten und sitzt im Stiftungsvorstand. Er lebt und arbeitet in seinem Geburtsort Halle (Saale), Sachsen-Anhalt.
Neben zahlreichen weiteren Aufgaben engagiert sich Silbersack als Ehrenpräsident des Landessportbunds Sachsen-Anhalt. Außerdem ist er Vizepräsident der Special Olympics Deutschland und Aufsichtsratsvorsitzender der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut eG. Gemeinsam mit dem Sammler und Mäzen Egidio Marzona und Arne Cornelius Wasmuth gründete er 2018 die Marzona Stiftung Neue Saalecker Werkstätten und dieDAS – Design Akademie Saaleck.

Tatjana Sprick ist eine formvollendete Netzwerkerin mit geschultem Blick. Seit Jahren bewegt sich Sprick, die in Berlin lebt, entlang der Grenzen verschiedener kreativer Bereiche und ermöglicht spannende Kollaborationen und neue Projekte. Als gelernte Schneiderin arbeitete sie zunächst in der Haute Couture, bevor sie ihre Karriere in der Ausstattung beim Film fortsetzte. Seitdem hat sie ihren Fokus stetig in Richtung Mode, Design, Handwerk und darüber hinaus erweitert. Sprick hat internationale Marken und Institutionen aus der gesamten Kreativbranche bei der Entwicklung sinnvoller Produkte, Netzwerke und Visionen unterstützt. Sie war für die Gründung der Design-Webseite L’ArcoBaleno verantwortlich, hat zahlreiche Kunden beraten und unter anderem mit dem Fashion Council Germany, mit Yohji Yamamoto, Bikini Berlin, WALA, Elitis, The DO School sowie dem Co-Retail-Geschäft ALHAMBRA BERLIN zusammengearbeitet. Als dieDAS-Gründungsdirektorin für Programm und Entwicklung ist sie verantwortlich für die Planung und Durchführung von dieDAS-Programmen, einschließlich des Stipendienprogramms und des walk + talk-Symposiums, und hilft der Institution, ein starkes Netzwerk von Mitarbeitern, Mentoren und Unterstützern aufzubauen.

Die in Mexiko-Stadt ansässige Architektin Rozana Montiel ist Gründerin und Direktorin des Rozana Montiel Architecture Studio (REA), eines Studios, das für seinen sozial engagierten und gemeinschaftsorientierten Ansatz bekannt ist. Montiel wird für ihre nachhaltigen Entwicklungsstrategien und ihre innovativen Lösungen zur Aufwertung des öffentlichen Raums anerkannt. REA spezialisiert sich auf architektonische Gestaltung, künstlerische Neukonzeptionen von Raum sowie Projekte im öffentlichen Bereich. Das Studio arbeitet an einer Vielzahl von Projekten in unterschiedlichen Maßstäben – von der Stadt über das Buch und das Objekt bis hin zu anderen Mikroformaten. Zu den Forschungsschwerpunkten zählen Wohnräume, urbane Nutzungen des öffentlichen Raums sowie die Neudeutung von Baumaterialien mit einem Fokus auf Ortsbezug, Lebensqualität und temporäre Nutzung. Das Team ist der Überzeugung, dass Schönheit ein soziales Recht ist, und strebt daher danach, qualitativ hochwertige Räume mit vielfältigen zeitlichen Narrativen zu schaffen.
Montiel hat an mehreren Universitäten Architektur gelehrt und ist Mitglied des Editorial Boards der Architekturzeitschrift Arquine. Sie wurde mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter der Emerging Voices Award der Architectural League of New York (2016), der Moira Gemmill Award der Architectural Review in London (2017), der Global Award for Sustainable Architecture der Cité de l’architecture et du patrimoine (2019) sowie der ARVHA International Prize for Women Architects (2022) und weitere.

Seit Anfang 2022 ist Caroline Rebel als Büroleiterin der Marzona Stiftung tätig. Rebel, die zunächst eine Schneiderlehre absolvierte, schloss ihr Studium der Betriebswirtschaftslehre mit einer Arbeit über „Ökologisches Marketing in der Bekleidungsindustrie“ ab. Anschließend war sie in verschiedenen Kapazitäten als Sales-Managerin, Verkaufsleiterin, Einkäuferin und im Office-Management tätig, darunter etwa für Andreas Murkudis, Berlin. Aufgewachsen in Düsseldorf, lebt sie seit Längerem in Berlin.

Olga Durandina wurde in Moskau geboren und wuchs in Wien auf. Zunächst studierte sie Linguistik und Literaturwissenschaften an der Moskauer Lomonossow-Universität, um anschließend an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin den Studiengang Business Communications Management zu absolvieren. Durandina hat als freie Übersetzerin und Dolmetscherin gearbeitet sowie als Filmproduktionsassistentin für den russischen und deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie spricht neben Russisch fließend Deutsch, Französisch, Spanisch und Englisch.

Jedes Jahr im Sommer stößt Oscar Casas Pinto für die Dauer des Fellowships zum Team hinzu. Sein Wissen und sein Einsatz sorgen für einen reibungslosen und effektiven Ablauf unserer Workshops.

Während des Fellowships im Sommer bereitet Andrea Sprick mit viel Liebe köstliche und gesunde Mahlzeiten für das gesamte dieDAS-Team, unsere Fellows und Gäste zu.


