dieDAS
fellowship-programm 2026

Collective Action / Active Collection
Von der Materialsammlung zur sozialen Praxis

14. August bis 30. August 2026

Zusammenkommen. Sich annähern. Vergleichen. Kombinieren. Komponieren.
Kollektiv agieren.

Versammeln. Zusammenfassen. Anhäufen. Aufhäufen. Arrangieren
(und neu arrangieren). Aktiv sammeln.

All diese Aktionen, diese Tätigkeiten gehören zur Praxis des Sammelns. Als eine solche Praxis ist das Sammeln materiell, räumlich und sozial. Sammlungen sind mehr als nur eine Ansammlung verschiedener Dinge. Eine Sammlung bringt in jedem einzelnen ihrer Teile eine Bedeutung hervor, die – nähme man es für sich allein – so nie sichtbar werden würde, da sie stets erst im Verhältnis zu den anderen Teilen entsteht. Es sind die Regeln der Beschäftigung mit Objekten, Orten und Aktionen sowie die Ordnung, in die man diese bringt, die ein eigenständiges, wachsendes System entstehen lassen. Mit Verfahren der Mustererkennung und der Logik der Montage lassen sich in gelingenden Sammlungen überraschende Koinzidenzen sichtbar machen. Was uns solche Sammlungen zeigen, sind interpolierte und interpretierte Narrative: Sie bringen ein Ganzes zum Vorschein, das größer ist als die Summe seiner einzelnen Teile.

Neue Zeiten verlangen nach neuen Formen der Zusammenkunft.

Collection, das englische Wort für Sammlung, stammt vom Lateinischen colligere, was so viel bedeutet wie „an einem Ort oder in einer Gruppe zusammenkommen“ – ein Akt der Verortung (location), des gemeinsamen Auftretens (co-location), aber auch des radikalen Nebeneinanders, in dem es möglich wird, materielle, räumliche und soziale Erfahrung zu berücksichtigen.

Für das Stipendienprogramm 2025–2026 lud die dieDAS Praktikerinnen und Praktiker aus unterschiedlichen, zugleich einander ergänzenden Disziplinen ein – darunter Architektur, Performance, Kunst, Literatur, Szenografie und Soziologie. Gemeinsam bilden sie eine Gemeinschaft von Gestalterinnen und Gestaltern, die Räume aktiv prägen. Das Residenzprogramm setzt auf Sammeln und gemeinschaftliches Handeln, die miteinander in Dialog treten und so neue Begegnungen ermöglichen.

Drei Handlungsfelder wurden vorgeschlagen.

1. REPARIEREN
Reparieren heißt, das Brauchbare zurückzugewinnen und dem eine neue Bedeutung zu geben, was seiner bisherigen Verwendung nicht länger dienen kann. Zur Kunst des Sammelns gehört auch das Bewahren: das Ausbessern und Erhalten.

Im Zuge der Sanierung und des Umbaus der ehemaligen Saalecker Werkstätten, in denen heute die dieDAS Design Akademie untergebracht ist, wurde eine Auswahl an Materialien, Bauteilen und Details gesichert. Was manche als Abfall betrachten würden, wurde so dem Entsorgungskreislauf entzogen und als Ressource für die Fellows bewahrt. Sie arbeiteten mit diesem Objektarchiv, das bei der Restaurierung und Sanierung des historischen Gebäudes zusammengetragen worden war.

Eine Haltung des „Vorfindens“ machte den Überfluss im vermeintlichen Mangel und den Nutzen im scheinbar Nutzlosen sichtbar. Darin liegt die Umsetzung einer „Materialernte“: Erinnerungen zu bewahren und neue Bedeutungen zu schaffen. Der Rückbau des Hauses setzte die architektonischen Fragmente in Bewegung und führte zu ihrer Neuordnung in einem gemeinsamen Ort der Begegnung. Die vorübergehende Verdrängung aus dem Haus ermöglichte ihre Platzierung in einer neuen Installation. 

2. RÜCKBESINNEN
Unser zweites gemeinschaftliches Handlungsfeld ist das erneute Sammeln – von Objekten, Personen und Geschichten. Dieser Prozess begleitet das gesamte Stipendienprogramm und schult den Blick: genauer hinzusehen, Beobachtungen zusammenzuführen und aus ihnen heraus zu handeln.

Wir lernten durch das Tun. Dabei sammelten wir sowohl individuell als auch in einer Gemeinschaft. Offen für Zufälle, unerwartete Begegnungen und glückliche Fügungen entwickelte jeder Fellow Assemblagen, Collagen und Montagen, die sich mit den Sammlungen aller anderen Fellows immer wieder neu verbinden ließen.

3. REAGIEREN
Zum Abschluss wird der traditionelle dieDAS „Walk and Talk“ in eine gemeinschaftliche Handlung überführt. Unser drittes Sammeln schafft ein Forum der Begegnung, ein Symposium des Teilens, einen Übungsraum des Erprobens – einen gemeinsamen Zeitraum, um bedeutsame Beziehungen innerhalb der dieDAS-Gemeinschaft sichtbar zu machen.

Es ist ein Ereignis, das einen Ort entstehen lässt; ein bewusst gestaltetes Ritual, um Beziehungen aufzubauen und Ideen auszutauschen. Das „Theater“ bringt die Gemeinschaft in einer Installation zusammen, in der wir alle – Fellows, Mitarbeitende, Kuratorinnen und Kuratoren sowie Gäste – die Praxis des gemeinsamen Gestaltens aktiv mitprägen.

Eine glückliche Fügung entsteht, wenn wir etwas wagen und Haltung zeigen: Sie verbindet Ungewissheit und Gewissheit. Das Unbekannte begegnet dem Bekannten. Entdeckung trifft auf Erfindung.

Unsere glückliche Fügung wird inszeniert. Mit Strategien politischer und theatraler Versammlung choreografieren wir ein „Theater in der Runde“, in dem die Grenze zwischen Aufführung und Publikum, zwischen Gehenden und Sprechenden, überbrückt und auf gemeinsamem Boden miteinander verwoben wird.


Wir sammeln uns, um zu handeln. Wir handeln, um uns selbst – und einander – wiederzufinden.

Rozana Montiel
Künstlerische Leiterin der dieDAS 2025–2027

Sonia Kazovsky, Hira Rasool, ChristopherJoshua Benton, Arne C. Wasmuth, Malika Leiper, Tatjana Sprick, Rozana Montiel, Andra Schumann, Basse Stittgen

Musterkollektion der dieDAS Design Akademie

Sammlung: Speicherschichten aus den ehemaligen Saalecker Werkstätten, die heute dieDas Design Akademie beherbergen

Go To
Go To

„Zwei Wochen lang tritt man aus dem Alltag heraus und kommt in einen Raum für Erkundung, Kreativität und gemeinsames Lernen.“
— Hira Rasool, dieDAS Fellow 2026

„Die eigentliche Stärke des Programms liegt meiner Meinung nach in den Menschen, die hier zusammenkommen – darin, wie wir uns miteinander austauschen und voneinander lernen und dabei hoffentlich neue Netzwerke aufbauen. Diese Verbindungen zu schaffen, ist vielleicht das Schönste an der Erfahrung. Ich freue mich sehr, mit neuen Freundschaften und möglichen zukünftigen Mitstreiterinnen und Mitstreitern nach Hause zu gehen.“
— Christopher Benton, dieDAS Fellow 2026

„Von dem Moment an, als ich aus dem Zug stieg, fühlte ich mich willkommen – als wäre ich Teil einer vertrauten, beinahe familiären Gemeinschaft. Dieses Gefühl der Verbundenheit macht die intensive gemeinsame Arbeit möglich.“
— Sonia Kazovsky, dieDAS Fellow 2026

„Durch das Sammeln und die Übernahme der Rolle als Archivar*in habe ich verstanden, dass ein Archiv nicht einfach ein Ort ist, sondern eine Handlung – Archivieren als Verb. Ein Archiv kann Menschen und Ideen miteinander verbinden, Beziehungen schaffen, die über den gegenwärtigen Moment hinausreichen, und sich möglicherweise zu einer Bewegung entwickeln.“
— Malika Leiper, dieDAS Fellow 2026