Die dieDAS-Fellows des Jahres 2026 wurden sorgfältig von einer Jury ausgewählt, der neben Mitgliedern unseres Gründungsteams bekannte Design-Expert*innen angehörten. Die Jury setzte sich zusammen aus:

Der Künstler und Designer Yassine Ben Adallah, geboren 1994 in St Denis, lebt aktuell auf der Insel Réunion und in den Niederlanden. In seinen research-basierten Arbeiten setzt er sich mit Themen wie kulturellem Erbe, Identität und Zugehörigkeit auseinander. Ben Abdallahs Objekte, Installationen, Texte und Performances enstehen vor dem Hintergrund der Erfahrung seiner eigenen Familie, die aus Tunesien nach Frankreich migrierte. Er untersucht die soziopolitischen Folgen des Kolonialismus und hebt dabei persönliche und kollektive Geschichten hervor, die bislang kein Gehör gefunden hat.
„Es war eine wahre Freude und sehr inspirierend, diese ganzen Bewerbungen zu sichten. Die Vielfalt der Bewerber*innen und die Bandbreite an kreativen Tätigkeiten hat mich beeindruckt. Zusammen genommen bestätigten diese Bewerbungen einmal mehr meine Überzeugung, dass Gestaltung in einer beschädigten Welt bedeutet, Bedingungen zu schaffen, in denen viele Welten und Paradigmen nebeneinander bestehen können.“

Philipp Oswalt ist ein deutscher Architekt, Autor und Dozent mit Sitz in Berlin. Von 1988 bis 1994 arbeitete er als Redakteur für die Architekturzeitschrift Arch+. Von 1996 bis 1997 war er für das Büro für Metropolitane Architektur von Rem Koolhaas in Rotterdam tätig. Er war Gastprofessor für Design an der Technischen Universität Cottbus sowie Professor für Architekturtheorie und Design an der Universität Kassel.
Zu seinen zahlreichen Erfolgen zählen der Gewinn des internationalen Wettbewerbs für die Gestaltung der Gedenkstätte des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück im Jahr 1998, die Initiierung und Koordination des europäischen Forschungsprojekts „Urban Catalysts” (2001–2003) zur Zeitlichkeit im urbanen Raum, das von der Europäischen Kommission (im Rahmen des Programms „City of Tomorrow”) finanziert wurde, die Arbeit als Chefkurator des internationalen Forschungs- und Ausstellungsprojekts „Shrinking Cities” für die Deutsche Kulturstiftung (2002–2008) sowie als Co-Kurator des Volkspalast 2004 (kulturelle Nutzung des ehemaligen Palast der Republik Berlin). Von 2009 bis 2014 war Oswalt Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau und von 2015 bis 2019 Co-Direktor des Projekts Bauhaus 2015–2019. Er war außerdem Initiator des Lernorts Garnisonkirche Potsdam, der Initiative Zukunft Bühnen Frankfurt (2020), der Berlin Plattform (2022) und des Gedenkorts Königstor Kassel (2023).

Roberto Sironi (1983) ist ein italienischer Designer, der in Mailand lebt und arbeitet.
Seine Designpraxis zeichnet sich durch einen forschungsbasierten und prozessorientierten Ansatz aus, bei dem Denken und Machen in der Schaffung von Artefakten zusammenfließen, die als narrative Werkzeuge betrachtet werden, um einen Dialog mit dem Nutzer anzuregen. Dieser Ansatz materialisiert sich in einem Werk, das mit der primären Funktion bricht, indem es die Grenze zwischen funktionalem Objekt und Skulptur verwischt; die produzierten Artefakte sind das Ergebnis eines Prozesses, in dem die behandelten Themen durch eine eingehende Analyse aus historischer, geografischer und anthropologischer Sicht untersucht werden.
Die Werke sind als zeitgenössische Ultra-Zeichen konzipiert, bei denen die Transformationsprozesse der Materie eine neue Bedeutung geben, ihre unsichtbaren Eigenschaften offenbaren und ihr neue Eigenschaften verleihen. Das 2015 gegründete Büro umfasst verschiedene Arten von Designpraktiken, wie Produkt- und Installationsdesign, strategische Forschung und Designberatung, in Zusammenarbeit mit Institutionen, Galerien und Unternehmen. Roberto Sironi verbindet seine Praxis auch mit Lehr- und Forschungstätigkeiten am Fachbereich Design des Politecnico di Milano, wo er sich in seinen Studien auf Technologien und Materialien für das Design konzentriert.
Ausgewählte Kooperationen: Nilufar, Carwan Gallery, Fendi, cc-tapis, Laufen, Tacchini, Fonderia Artistica Battaglia, Pretziada, Nodus Rug, Gallery S.Bensimon, Politecnico di Milano, Triennale Design Museum u. a.
„Design braucht heute deutlich mehr Plattformen wie dieDAS, die im Rahmen von Designpraktiken Fragen von Ethik und Verantwortung wieder ins Zentrum rücken. Für dieDAS ist Design ein Werkzeug der kritischen Reflexion, das ein tiefergehendes Verständnis der Gegenwart ermöglicht. Zugleich fungiert das Programm als Katalysator für die Prozesse, durch die aufstrebende Designer*innen sich die Zukunft vorstellen und ihr eine Form geben. Als multidisziplinäre Community setzt dieDAS im Hinblick auf die Entwicklung von Residency-Programmen für Design neue Standards.“

Tatjana Sprick ist eine formvollendete Netzwerkerin mit geschultem Blick. Seit Jahren bewegt sich Sprick, die in Berlin lebt, entlang der Grenzen verschiedener kreativer Bereiche und ermöglicht spannende Kollaborationen und neue Projekte. Als gelernte Schneiderin arbeitete sie zunächst in der Haute Couture, bevor sie ihre Karriere in der Ausstattung beim Film fortsetzte. Seitdem hat sie ihren Fokus stetig in Richtung Mode, Design, Handwerk und darüber hinaus erweitert. Sprick hat internationale Marken und Institutionen aus der gesamten Kreativbranche bei der Entwicklung sinnvoller Produkte, Netzwerke und Visionen unterstützt. Sie war für die Gründung der Design-Webseite L’ArcoBaleno verantwortlich, hat zahlreiche Kunden beraten und unter anderem mit dem Fashion Council Germany, mit Yohji Yamamoto, Bikini Berlin, WALA, Elitis, The DO School sowie dem Co-Retail-Geschäft ALHAMBRA BERLIN zusammengearbeitet. Als dieDAS-Gründungsdirektorin für Programm und Entwicklung ist sie verantwortlich für die Planung und Durchführung von dieDAS-Programmen, einschließlich des Stipendienprogramms und des walk + talk-Symposiums, und hilft der Institution, ein starkes Netzwerk von Mitarbeitern, Mentoren und Unterstützern aufzubauen.

Die Kunst- und Architekturhistorikerin Cristina Steingräber lebt in Berlin. Sie ist Mitbegründerin von ArchiTangle, einem unabhängigen Verlag und Tech-Start-up für sozial engagierte Architektur- und Urbanismuspraxis. ArchiTangle treibt die Integration traditioneller Druckverfahren und brandneuer Technologien in Form von Blockchain-basierten digitalen Erweiterungen zu tradierten Publikationsformaten voran. Zuvor war Steingräber mehr als ein Jahrzehnt als Programmdirektorin und Geschäftsführerin von Hatje Cantz tätig, einem der weltweit führenden Verlagshäuser für bildende Kunst, Fotografie und Architektur. Steingräber hat einen Doktortitel in Kunst- und Architekturgeschichte von der Christian-Albrechts-Universität in Kiel sowie einen MBA in Economics von der angesehenen TUM School of Management an der Technischen Universität München. Photo by Myrzik Jarish

Arne Cornelius Wasmuth ist spezialisiert auf die Sanierung historischer Gebäude und den Kulturgüterschutz. Er hat zunächst für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, Hörfunk und Film gearbeitet und hat zum Denkmalschutz und verwandten Themen publiziert sowie Vorträge gehalten. Geboren in Hamburg, wuchs Arne Cornelius Wasmuth in Seoul, Korea, und Lagos, Nigeria, auf. Er erwarb einen B.A. an der Columbia University in New York, einen M.Sc. in International Relations an der London School of Economics und einen M.A. in Schutz Europäischer Kulturgüter an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). 2017 entwickelte er gemeinsam mit dem Sammler und Mäzen Egidio Marzona das Konzept für dieDAS.
Wir freuen uns, die Fellows des dieDAS Fellowship Programms 2026 bekannt geben zu dürfen. Die Jury konnte dieses Jahr aus einer außergewöhnlichen Bandbreite von Bewerbungen aus der ganzen Welt auswählen, von denen viele durch ihre Klarheit, Rigorosität und kollektive Ausrichtung bestachen. Letztlich fiel die Wahl auf vier herausragende Bewerbungen, denen es gelang, besonders überzeugend auf die diesjährige Ausschreibung der Künstlerischen Direktorin Rozana Montiel unter dem Titel Active Collection / Collective Action zu antworten. Collection, die Sammlung, wird hier nicht so sehr im Sinne einer Anhäufung, sondern als relationale, räumliche und soziale Praxis begriffen – als aktiver Prozess der Reparatur, der Re-collection, also der Erinnerung oder Rückbesinnung, und der Reaktion; als Form des Zusammenkommens, der Rekonfiguration und der kollektiven Aktion, als als gemeinsames Handeln.
Glüchwunsch an Hira Rasool, Malika Leiper, Christopher Benton und Sonia Kazovsky. In Hira Rasools recherchebasierter Praxis treffen Materialforschung, ökologisches Wissen und gemeinsames Lernen aufeinander. Im Augenmerk, das sie auf Materialien als Träger von Geschichten aus Gesellschaft und Umwelt legt, hallt deutlich der Fokus des Fellowships auf Reparatur, Materialsammlung und situierten Herstellungsprozessen wider. Malika Leiper versteht Design als Kollaboration mit Handwerker*innen und Communitys. Ihre Arbeit, die Fragen der Zugehörigkeit, des Zugangs und der Fürsorge in den Vordergrund rückt, fügt sich hervorragend in ein Konzept des kollektivem Handelns als einem gemeinsamem Prozess ein, in dessen Verlauf Handarbeit, Industrie und die sozialen Beziehungen ineinandergreifen. Christopher Benton dagegen bringt an der Community orientierte Verfahren mit. Seine Praxis, die auf gemeinsam geteilter Autorschaft, ethischer Arbeit im Feld und einem restaurativen Verständnis von Archiven beruht, begreift Design als soziale Infrastruktur. Auch hierin spiegelt sich ein Aufruf aus dem Fellowship-Programm wider, nämlich gemeinsam zu handeln und sich zivilgesellschaftlich zu engagieren. Sonia Kazovsky schließlich befasst sich in ihrer Praxis mit Archiven, Institutionen und Pädagogik und versteht diese als Räume für ein kollektives Üben. In ihren dramaturgischen und partizipativen Setzungen hallt der Fokus des Fellowships auf der Re-collection, auf Reparatur und Neuorganisation übernommener Strukturen wider.
Die Gruppe im Ganzen entspricht insofern dem Geist von Rozana Montiels Fellowship-Rahmenprogramm Active Collection / Collective Action. Sie vereint in der dieDAS Design Akademie Saaleck unterschiedliche, aber ergänzende Zugänge zum Sammeln, zur Aktion und dem gemeinsamen Handeln. Wir sind überzeugt, dass die Gruppe des Jahres 2026 unsere Vorstellung davon, welchen Einfluss kollektive Praktiken, Materialforschung und zivilgesellschaftliches Engagement auf die soziale und räumliche Umwelt haben können, bereichern wird – und auf diese Weise einer verantwortungsvolleren und inklusiveren Form des Designs zuarbeitet. Wir gratulieren allen Fellows und freuen uns auf deren Beiträge zum Programm des Jahres 2026.
Cristina Steingräber
Vorsitzende des Auswahlkomitees
im Namen der Jurymitglieder Yassine Ben Abdallah, Prof. Philipp Oswalt, Roberto Sironi, Tatjana Sprick und Arne Cornelius Wasmuth